Der Politiker Walther Rathenau wurde vor 100 Jahren ermordet. Der Fall liest sich bei Thomas Hüetlin als aktuelle Studie zu rechter Gewalt
- wie Walther Rathenau in Berlin vor hundert Jahren. Damals war Rathenau, der liberale Jude, Intellektuelle und Wirtschaftsführer, Außenminister der Weimarer Republik. Wenig Lebensweltliches verbindet Rathenau mit dem hessischen Landrat Lübcke - außer, dass beide für die Demokratie und humanistische Werte einstanden.
Dabei ist der Mörder Ernst von Salomon fasziniert vom Charisma Rathenaus. Es kommt sogar zu einer unheimlichen Begegnung. Salomon besucht einen Auftritt von Rathenau im Volksbildungsheim in Frankfurt im Oktober 1921. Weil der ihn ergreift, beschließt er, den Charismatiker erst recht ermorden zu müssen. So einer könnte den Weg finden, der Deutschland zu Frieden und Demokratie führt.
Rathenaus Leben gleicht so in Hüetlins Buch einem Flur mit lauter Türen, die wieder auf Flure gehen, von denen noch mehr solcher Türen abgehen. Er war erst gegen den Ersten Weltkrieg, aber dann half er, wo er konnte, und bediente sich übler Methoden, um die deutschen Verluste zu minimieren.