DW-Korrespondent juri_rescheto hat es geschafft aus Russland auszureisen: zehn Stunden Zug, zu Fuß über die Grenze nach Estland, vier Stunden Bus, zwei Stunden Flug. Aus Moskau auszufliegen war ihm zu riskant.
Klack! Der rote Ausreisestempel in meinem Pass macht den Weg frei: raus aus der Russischen Föderation, rein in die EU. Kurz vor Mitternacht darf ich das russische Staatsgebiet verlassen. Die junge Grenzbeamtin, die mir soeben den Ausreisestempel verpasst hat, lächelt freundlich:"Gute Heimreise! Fliegen können Sie ja nicht mehr.” Nein, das können wir in der Tat nicht.Die kleine Schranke gibt den Weg frei.
Viele, die in Russland bleiben, fürchten steigende Inflation, wachsende Arbeitslosigkeit und Verschlechterung des Lebensstandards. Seit Tagen fällt der Rubel, steigen die Kreditzinsen. Manche Wirtschaftsexperten warnen: Die russische Wirtschaft könnte in diesem Jahr um bis zu zehn Prozent schrumpfen.Aber auch in der estnischen Stadt Narwa auf der anderen Seite der Freundschaftsbrücke fürchten die Menschen, dass sich ihre wirtschaftliche Lage verschlechtern wird.
Was ich jedenfalls während meiner kurzen Nacht in einem estnischen Hotel merke, ist die deutlich kühlere Raumtemperatur als in Russland. Das Gas ist hier teuer.