Der Umgang mit Menstruation ist komplex. In vielen Staaten wird die Regel tabuisiert, in anderen zelebriert – und in Japan beides gleichzeitig. Ein Text von shoko_bethke zum gestrigen MHDay28May. MenstrualHygieneDay MHDay2022
Am Abend des Tages, an dem meine japanische Mutter ihre erste Blutung bekam, gab es Osekihan zum Essen – Klebreis mit Azukibohnen, die den weißen Reis rötlich färben.
An Neujahr etwa oder zu Obon, dem buddhistischen Feiertag zur Erinnerung an verstorbene Ahnen. Auch bei einem Umzug oder einer Geburt gibt es Osekihan. Der rote Reis gilt als Glückssymbol, wie meine Mutter mir erklärt, und da man das Glück auch gern mit anderen teilt, hat meine Großmutter oft gleich auch die Nachbarschaft und Verwandte mit ihrem frisch gekochten Osekihan bedacht.
„Oma hat es eben gut versteckt“, sagt meine Mutter zu mir. Nie habe ihre Mutter über Bauchschmerzen geklagt oder über ihre Blutung gesprochen – wohl, weil die Menstruation tabuisiert war, zumindest damals, in ihrer Familie. „Du hast es vor mir dann aber nie versteckt“, merke ich an. „Es ist ja auch nichts, wofür man sich schämen muss“, sagt meine Mutter.
In den USA werden heute „Period Parties“ gefeiert, menstruierende Teenager bekommen dabei lauter rote Speisen serviert, von Kuchen mit rotem Gratulationsschriftzug über Pasta mit Tomatensoße bis zu Granatapfelsaft. Auf die klebrige Masse, die sich eines Tages erstmals in meinem Slip wiederfand, hätte ich allerdings gut verzichten können. Ich erinnere mich an viele Momente, in denen ich mich für meine Menstruation schämte. Und ich würde mich noch heute schämen, sollte ich einmal einen roten Fleck auf einer weißen Hose haben, sichtbar für alle.
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